Quo vadis, Widerstand?

Was wird aus der Protestbewegung?

Ich kann nicht für die gesamte Bewegung sprechen, aber für einen Teil. Und es zeigt sich bereits jetzt, dass der Protest nicht abnehmen wird. Das wäre auch unlogisch, denn mit dem Abstimmungsergebnis wird das Projekt weder besser noch richtiger. Vor allen Dingen nicht besser. Die Argumente, Einwände und Zweifel bestehen genauso wie vor der Abstimmung, eigentlich wiegen sie noch mehr. Denn nun glaubt die Bahn, das Projekt endgültig legitimiert zu haben. Das ist allerdings absurder denn je.

Die Deutsche Bahn hat sich in ihrem eigenen Geschäftsbericht dazu verpflichtet, Projekte, insbesondere Großprojekte erst zu beginnen, wenn alle zugehörigen Planfeststellungsverfahren dazu abgeschlossen sind. Es ist hinlänglich bekannt, dass die Planfeststellung für den Abschnitt Flughafenanbindung nicht mal begonnen werden konnte. Mehr noch, seit 2002, also seit über neun Jahren versucht die Bahn bereits vergeblich, diese beim Eisenbahnbundesamt (EBA) vorzulegen und wird jedes Mal wieder nach Hause geschickt. Wie kann man derartiges übersehen bzw. jeglichen Projektfortschritt zulassen?!

Das gewichtigste, weil nahe liegendste Argument ist immer noch die Leistungsfähigkeit der beiden Bahnhöfe. Man kann über das SMA-Gutachten sagen, was man möchte, aber es ist dort schwarz auf weiß dokumentiert, dass der Durchgangsbahnhof mit seinen acht Gleisen 49 Züge in der Spitzenstunde schafft. Gerade mal 49 Züge, eine Zahl, die mehr oder minder für alle Zeiten festgeschrieben ist. Der bestehende Bahnhof kann bereits jetzt bis zu 54 Züge. Er ist in einem maroden Zustand, das ist wohl wahr, würde man ihn allerdings aufpäppeln und vorhandene Kapazitäten nutzen, könnte der Kopfbahnhof über 70 Züge in der Spitzenstunde abwickeln. Das wird übrigens auch von Vieregg-Rössler so gesehen.

Was also soll die ganze Diskussion? Bereits hier erübrigt sich jegliche Argumentation. Dennoch existiert das Projekt immer noch – es ist präsenter denn je.

In München hat man den Transrapid „abgeschossen“, weil man feststellen musste, dass sein Einsatz völlig unwirtschaftlich gewesen wäre. Die Konsequenz dieser Entscheidung wird durch Kosten von 2 Mrd. €, die bis zu diesem Zeitpunkt zusammen gekommen waren, mehr als kraftvoll dokumentiert. Bei einem Projekt, das in der bahninternen Bewertung einen Wirtschaftlichkeitskoeffizienten von 1,5 erhalten hat, soll auf diese Betrachtung verzichtet und um jeden Preis gebaut werden, obwohl andere in deren Bewertung bei weit über 2 und 3 liegen. (Skeptiker bezweifeln sogar dies und geben gerade mal eine 1,0.)

Mit diesem Beispiel will ich deutlich machen, dass Stuttgart 21 andernorts schon längst beerdigt worden wäre, nur eben in Stuttgart nicht. Nebenbei bemerkt wurde mit ähnlichen Projekten genauso verfahren, siehe Frankfurt, Köln und auch München.

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2 Antworten zu Quo vadis, Widerstand?

  1. Thomas schreibt:

    Sehe ich ähnlich. Welche Kräfte walten da im Hintergrund? Warum hält man an bestimmten Stellen so energisch am Projekt fest, obwohl es der Stadt schadet? In München wurde erkannt, dass die Pläne der Bahn nicht gut für die Stadtentwicklung sind und die Bahn kein guter Partner für solche Projekte ist.

  2. S21-Nein-Danke(1) schreibt:

    Böse Kräfte, das sieht man ja am eindrücklichsten an der Parkzerstörung :´-(

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