Datenschutz beginnt im Kleinen

Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Edward Snowden würde das bestätigen. Dennoch hat der Skandal um PrismTempora, die NSA und den GCHQ schon solche Ausmaße angenommen, dass einem, wenn man sich das Ende auszumalen versucht, mehr als nur Angst und Bange werden muss. Das Sahnehäubchen bilden derzeit das Traumpaar Merkel und Friedrich, die sich nicht nur in der Relativierung als erschreckend debil zeigen, sondern auch noch Verantwortungen ablehnen. Das alles finde ich bereits höchst kriminell, denn es untergräbt in höchstem Maße das Grundbedürfnis nach Datenschutz, demokratische Grundfeste und die Rechtsstaatlichkeit.

Deshalb wird es für jeden Zeit, seine persönlichen Daten im Internet eigenverantwortlich zu schützen. Die notwendigen Schritte können sehr vielfältig sein, einige liegen bereits auf der Hand. Ich werde im Folgenden die aufzählen, die ich selbst durchgeführt habe.

Internetrecherche

Dies war der erste Schritt, den ich bereits vor Jahren – ich kann mich schon nicht mehr erinnern vor wie vielen – vollzogen habe. Die Datenkrake Google und vor allem die Speicherung der IP-Adresse und die unverfrorene Veräußerung von Daten und Sucheingaben waren mir schon lange ein Dorn im Auge.

Während irgendeiner Tagung wurde mir ixquick – mit startpage als Schwester – vorgestellt, eine Suchmaschine, die der Chaos Computer Club empfohlen hatte. Seither arbeite ich auf jedem Gerät mit startpage und nur in ganz seltenen Ausnahmefällen greife ich auf die Google-Suche zu.

Skype

Bereits vor dem Kauf von Skype durch Microsoft war mein Verhältnis dazu zwiegespalten, insofern bin ich für diesen Deal im Grunde dankbar, denn seither befindet sich Skype auf keinem meiner Geräte mehr.

Foursquare

Machen wir es kurz: Vor ca. 22 Monaten schrieb ich einen Tweet zu personenbezogener Datenspeicherung, in dem auch foursquare vorkam. Ich selbst hatte es vollgestopft mit meinen Check-Ins, legte neue Locations an, hielt eine Unmenge an Mayorships inne und nannte zahlreiche Badges mein eigen. Ich konnte dennoch über meinen Tweet lachen – das ist nun vorbei und foursquare in meinem digitalen Leben Geschichte.

Paypal

Bequem und schnell, d. h. mit wenigen Klicks, im Internet bezahlen, ist eine schicke Sache. Leider ist Paypal schon einige Male unangenehm aufgefallen. Nun kommt eine weitere Geschichte hinzu, die den Verdacht nahelegt, auch Paypal sei in einer Art obrigkeitshörig, die dem Datenschutz seiner Kunden nicht guttut. Deshalb verschwindet das Konto aus meinem www-Portfolio.

Ach ja, bei der Gelegenheit kündigte ich auch gleich die VisaCard und MasterCard, da diese sich ebenfalls negativ profilieren (s. unten).

WhatsApp

Manchmal sind es kleine Entscheidung, mit denen man große Wirkung erzielt. „Groß“ bedeutet im Fall von WhatsApp, dass von jetzt auf gleich alle Personen, mit denen man über WhatsApp in Verbindung steht – und das werden bei vielen von uns viele oder sogar sehr viele sein –, nicht mehr mit einem in Kontakt treten können. In meinem Fall waren es sehr viele Personen und deshalb half es mir, den Schritt des Löschens mit Gleichgesinnten zu vollziehen.

Der am weitesten verbreitete Messenger steht schon lange auf meiner Liste der Apps, die ich aus datenschutzrechtlichen Gründen loswerden wollte. Insofern ergab es sich ganz gut, @fraustoltenberg und Herrn @stoltenberg um mich zu haben, die gleichzeitig den „Löschen“-Button drückten.

Die Alternative ist mit Hike auch schon gefunden. Größtes Plus ist die 128-Bit-Verschlüsselung sowie die Tatsache, dass keinerlei Nutzerdaten auf Servern gespeichert werden. Wer noch ein bisschen mehr lesen möchte, vor allem, weshalb Viber trotz VoIP-Telefonie nicht in Frage kommt, findet hier und hier zwei von sicherlich vielen lesenswerten Artikeln.

Eine weitere, noch sicherere Alternative stellt Threema dar, die eine Verschlüsselung mithilfe öffentlicher und privater Schlüssel, ähnlich wie PGP, ermöglicht. Allerdings fehlt hier wohl noch die Bereitschaft, da die App kostenpflichtig ist.

Facebook

Ich habe mein Facebook-Profil gelöscht, ohne lange über mögliche Konsequenzen nachzudenken. Auch Facebook steht schon lange auf oben genannter Liste. Ich habe das Profil auch nicht nur deaktiviert, es wird unwiderruflich gelöscht werden – so zumindest habe ich es in Auftrag gegeben. Welche Schritte dafür notwendig sind, kann hier nachgelesen werden.

IPREDATOR

Der schwedische Anbieter von virtuellen privaten Netzwerken (VPN) steht auf der Liste von Zahlungsdienstleistern wie Visa, MasterCard oder Paypal, die Zahlungen bzw. deren Weiterleitung an den schwedischen Anonymisierungsdienst unterbinden. Wenn sich die drei Unternehmen so offensichtlich als Knechte der US-Behörden outen – vor drei Jahren verweigerten sie die Weitergabe von Spendengeldern an WikiLeaks –, haben sie es nur verdient, dass man ihnen den Rücken kehrt.

IPredator ermöglicht anonymes Surfen im Internet, wofür es seit Bekanntwerden flächendeckender Datenüberwachung privater und nicht verdächtiger Bürger gute Gründe gibt. Sicherlich bietet der Gebrauch solcher Dienste auch Raum für Missbrauch, der dem jeweiligen Anbieter großen Schaden zufügen könnte. Ich hoffe jedoch, dass aufgeklärten Nutzern der Zugewinn an Schutz ihrer eigenen Daten mehr wert ist als potentielle, kriminelle Machenschaften.

PRISM Break

Man kann noch viel mehr tun. Teilweise ist der Aufwand viel geringer als Konten zu löschen oder Verträge zu kündigen. Eine Liste findet sich auf PRISM-Break und ich möchte ein Beispiel vorstellen. Es handelt sich um den Browser „Tor“, der anonymes Surfen im Internet ermöglicht und bereits „Startpage“ als Standardsuchmaschine installiert hat. Ein Blick auf die Liste lohnt sich in jedem Fall.

Dies ist nur der Anfang. Mehr soll es auch nicht sein. Mir ist selbstverständlich bewusst, dass es keinen verbindlichen Schutz der Persönlichkeit im Internet gibt. Selbst in der analogen Welt ist man vor „Spuren“ nicht geschützt – ich muss nur einmal mit ec-Karte bezahlen, schon werden Daten von mir gespeichert.

Es ist auch nicht in meinem Sinne, eine Diskussion in Gang zu setzen; diese gibt es längst und das ist gut und wichtig. Der gesellschaftliche Druck muss an möglichst vielen Stellen ausgebaut werden; ein Warten auf die Politik erscheint zum jetzigen Zeitpunkt unnötig. Man kann für sich anfangen. Es beginnt mit der Frage, welche Apps und Programme man tatsächlich benötigt und auf welche man verzichten möchte, wenn man beachtet, wie sie den Schutz von persönlichen Daten und Privatsphäre umsetzen.

Meine ersten Schritte habe ich dokumentiert und ich würde mich freuen, wenn sich dadurch jemand motiviert fühlte, es gleichzutun. Auch ich werde in Zukunft weitere Motivation für nachfolgende Schritte brauchen und würde mich deshalb über Rückmeldungen freuen.

Für mehr „Wollen Sie wirklich löschen?“-Bestätigungen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Persönliches, Web veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Datenschutz beginnt im Kleinen

  1. ki schreibt:

    Danke für die guten Hinweise und die Gewissheit das es noch Mitdenker gibt. Statt alles abzumelden erscheint mir das „busy“ halten am witzigsten. Versende nie eine unverschlüsselte email ohne keyword…

    Leider wird das obsessive Daten sammeln schlimmer und mehr, die Natur der Sache 😃 Typisch Mensch – ausreizen, ausrotten und ein Geschäft aus dem Erhalt machen.

  2. Danke für diesen schönen Post, der einen wichtigen Gedanken unterstreicht: Die bewusste Entscheidung. Auch wenn nicht für jeden das Aufkündigen der genannten Dienste in Frage kommt, so ist es doch auch so, dass wir eben nicht hilflos allem gegenüber stehen. Eine bewusste Entscheidung fängt im Kleinen und bei sich selbst an.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s